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Nov 8, 2019
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Eccd.net presse release news breaking news Healthy Business: Wie die 3D-Sensoren einer Spielekonsole kranken Menschen helfen

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Motognosis-Mitgründer Sebastian Mansow-Model zeigt seine Diagnose-Software. Wenn ich stehe, dann schwanke ich leicht. Und wenn ich nicht aufpasse, stürze ich. Meine Neurologin hat dafür einen Namen: CCPD (Combined central and peripheral demyelination). So nennt sich die neurologische Krankheit, bei der die Datenübertragung zwischen Gleichgewichtssinn, Gehirn und Muskeln verlangsamt ist. Jetzt weiß ich genau, wie sehr…

Eccd.net presse release news breaking news Motognosis-Mitgründer Sebastian Mansow-Model zeigt seine Diagnose-Software.
Wenn ich stehe, dann schwanke ich leicht. Und wenn ich nicht aufpasse, stürze ich. Meine Neurologin hat dafür einen Namen: CCPD (Combined central and peripheral demyelination). So nennt sich die neurologische Krankheit, bei der die Datenübertragung zwischen Gleichgewichtssinn, Gehirn und Muskeln verlangsamt ist. Jetzt weiß ich genau, wie sehr ich schwanke: 0,4 Grad mit offenen Augen, 0,9 mit geschlossenen. Normal sei die Hälfte, sagt Sebastian Mansow-Model, der den Test durchführt. Sein Startup Motognosis analysiert Bewegungen mit Hilfe einer Software und des Tiefensensors Kinect, den Microsoft ursprünglich für seine Spielekonsole Xbox entwickelt hat und der dreidimensionale Bewegungen erkennt. 
Riesiger Aufwand und teure Geräte
Motognosis gibt Ärzten exakte Daten über Bewegungsanomalien vor allem von Parkinson-, Schlaganfall- und Multiple-Sklerose-Kranken (MS) an die Hand: die Tremor-Amplitude oder die Geschwindigkeit von Bewegungsmustern lassen sich exakt messen. Patienten werden durch kurze Bewegungsaufgaben geführt. Die 3D-Kamera zeichnet die Bewegungen auf. Die Software analysiert sie und interpretiert die Ergebnisse auf einem Dashboard. Ärzte können dort erkennen und exakt dokumentieren, wie die Krankheit verläuft und wie sich Medikamente auf die Bewegung eines Menschen auswirken.
Solche Untersuchungen waren bisher aufwändig, umständlich und ungenau. Entweder verließ sich der Arzt auf sein Augenmaß oder die Patienten mussten mit optischen Markern beklebt und dann gefilmt werden. Es war mühevoll, anschließend die Videos auszuwerten. Und: Die Patienten mussten für jede Untersuchung in die Praxis oder in das Krankenhaus kommen. Wenn überhaupt, fand das einmal im Quartal statt. „Das war ein riesiger Aufwand und die Geräte sind sehr teuer“, sagt Sebastian Mansow-Model, der sein Startup zusammen mit Karen Otte und dem Charité-Neurologen, Professor Alexander Brandt, gegründet hat.
Ausgründung der Berliner Charité
Das wird mit der neuen Software anders. Denn Motognosis, eine Ausgründung der Berliner Charité, dezentralisiert die Diagnostik und hat den Anspruch, die Versorgung der neurologischen Patienten zu verbessern. „Unser Medizingerät, das kurz vor der Zertifizierung steht, besteht das aus dem Kinect-Sensor und einem Tablet, das die Sensordaten auswertet und dann das Untersuchungsergebnis per WLAN oder Mobilfunk an den Arzt überträgt“, sagt Mansow-Model. Patienten sollen mit dem Gerät ausgestattet werden. „So können sie regelmäßig zu Hause ihre Beweglichkeit testen und Ärzte erhalten ein viel umfassenderes Bild vom Symptomverlauf als bisher.“
Sowohl die Pharmawirtschaft als auch Forschungseinrichtungen interessieren sich für die Software. So hat der Konzern Novartis, der Medikamente gegen MS anbietet, das Startup bereits 2014 gefördert und damit den Grundstock für die Erforschung der Technologie gelegt. „2017 haben wir sehr viel Ergebnisse publiziert und auf Kongressen diskutiert“, sagt Mansow-Model. Ein Angel-Investment 2018 ermöglichte die Zertifizierung.
Chronisch Kranke sind schlecht versorgt
„Wir haben enthusiastische Resonanz aus der Forschungscommunity aber auch von niedergelassenen Neurologen bekommen“, sagt der Gründer. Das Startup erkannte, dass die Software Potenzial auch für die Routineversorgung hat. Bis es soweit ist, verhandelt das Startup mit einzelnen Kassen und Versicherungen über Selektivverträge.
Das Problem ist das Gesundheitswesen, dass solche Innovationen bislang nur unzureichend unterstützte. 40 Prozent der chronisch kranken neurologischen Patienten, so eine Studie, haben keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung. Das wird schwieriger, je weiter Patienten von spezialisierten Krankenhäusern entfernt leben. Das dürfte sich erst mit dem Digitale Versorgungsgesetz ändern, das die Erstattung digitaler Anwendungen durch Krankenkassen vorsieht.
Ziel ist die „App auf Rezept“
„Wir wollen Versorgungslücken schließen, stationären Aufwand vermeiden und dazu beitragen, dass Medikamente zielgerichteter eingenommen werden“, fasst Mansow-Model den Ansatz seines Startups zusammen. Jetzt gehe es darum, genau das nachzuweisen. Die Kassen und die Pharma-Industrie sähen darin einen großen Mehrwert. Für das Startup ist das eigentlich eine gute Voraussetzung. „Fraglich ist jetzt, welche Evidenz das Startup nachweisen muss, um in die Regelversorgung zu kommen.“
Eine Seed-Runde ist in Vorbereitung und soll das ermöglichen. „Sie soll bis Jahresende abgeschlossen sein“, sagt der Gründer. Die nächste Stufe wird dann der Markteintritt in den USA sein. „2021 wollen wir eine Zertifizierung der Gesundheitsbehörde FDA bekommen“, sagt Mansow-Model.
Wenn dieses Medizingerät schon zugelassen wäre, könnte sich meine Ärztin ein besseres Urteil bilden. Und nicht nur ich könnte davon profitieren, sondern sechs Millionen Menschen, die allein in Deutschland an neurologischen Krankheiten leiden.

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        Noch viele Hürden bis zur Gesundheits-App auf Rezept


Fitness-Trainer, Depressionskurs, Migräne-Coach: Apps drängen auf den Gesundheitsmarkt. Ist das Digitale Versorgungsgesetz, das dafür den Rahmen schafft, der große Wurf?

Was berichtet Gründerszene sonst über Digital Health?
15 Jahre länger leben: Das Startup Yolife will seinen Nutzern dabei helfen, dass das klappt. Die Voraussetzung ist, dass die Anwender sich an die Regeln des Programms halten. Hier geht es zur Nachricht.
Und was war sonst noch interessant?
Health- und Biotechs im Börsenfieber: Bisher waren es vor allem E-Commerce-Startup und Lieferdienste, die aufs Parkett strebten. Jetzt werden IPOs für deutsche Bio- und Healthtechs als Kapitalquelle immer interessanter. Die Rostocker Centogene AG, ein Diagnose-Spezialist für seltene Erbkrankheiten, strebt nach eigenen Angaben auf das New Yorker Parkett. Sie will dort 56 Millionen Dollar erlösen, indem das Unternehmen vier Millionen Stammaktien zu einem Preis von 14 US-Dollar je Aktie verkauft. Erst am 10. Oktober hatte die Mainzer Biontech SE dort umgerechnet 135 Millionen Euro eingesammelt. Und Ende Oktober wurde bekannt, dass auch der Diabetes-Spezialist Diamontech an die Börse strebt und in Frankfurt 50 Millionen Euro raisen will. Das spricht für die Substanz einer prosperierenden Branche. 
Bild: Jürgen Stüber

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Allgemein · Presse Mitteilungen

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