Jan 16, 2020
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Eccd.net presse release news breaking news Michel Ruge : Die Welt des “Bordsteinkönigs”

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Michel Ruge steht in der Davidstraße und preist das alte Hamburg, als ihm auffällt, dass früher vielleicht doch nicht alles besser war. Ruge erzählt von Harry Rosenberg, dem lange verstorbenen Kuriositätenhändler, bei dem es früher die verrücktesten Dinge zu kaufen gab, Zehntausende Exotika aus aller Welt, die Seemänner von ihren Reisen mitgebracht hatten. Ruge erzählt,…

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                    Michel Ruge

steht in der Davidstraße und preist das alte Hamburg, als ihm auffällt, dass
früher vielleicht doch nicht alles besser war. Ruge erzählt von Harry
Rosenberg, dem lange verstorbenen Kuriositätenhändler, bei dem es früher die
verrücktesten Dinge zu kaufen gab, Zehntausende Exotika aus aller Welt, die
Seemänner von ihren Reisen mitgebracht hatten. Ruge erzählt, wie er bei Rosenberg
als kleiner Junge Schrumpfköpfe begutachtete, ohne zu wissen, was er da
eigentlich in den Händen hielt.

        "Na ja, und eine Gorillahand als Aschenbecher

ist natürlich auch scheiße, aus heutiger Sicht”, sagt Ruge. “Aber früher hat
man das anders gesehen.”
Und schon ist
man mittendrin in einer Kieztour des Bestsellerautors Michel Ruge, einer Tour
ins St. Pauli der Siebziger- und Achtzigerjahre, ins St. Pauli aus Ruges
Kindheit.
Nun könnte man
einwenden, dass der Kiez doch keinen Mangel hat an halbprominenten Reiseführern,
allein Olivia Jones und ihr Team führen an guten Wochenenden 20
Touristengruppen über die Reeperbahn. Man könnte fragen, warum ausgerechnet
Ruge eine weitere Tour anbieten muss, ebenjener Ruge, der in seinen Büchern und
Artikeln immer wieder die Touristifizierung seiner Nachbarschaft beweint. Hatte
er nicht gerade erst in der ZEIT den “Sell-out” des Viertels beklagt? Und hilft
er nun nicht mit, St. Pauli zum Freilichtmuseum zu machen?
Die Antworten
sind klar: ja und ja. Und doch lohnt es sich, mal mitzugehen und zuzuhören, was
Michel Ruge so zu erzählen hat über Hamburgs Halbwelt. Sein Versprechen ist
eine andere, eine feuilletonistische Kieztour. Geht das – auf dem Kiez?  Ruge startet
seine Tour bei sich zu Hause in der Erichstraße. Sein Haus, erzählt er, war
noch bis in die Neunziger ein Bordell. An der Wand hängen Fotografien von
Günter Zint, es ist diese Welt, in die Ruge in den kommenden zwei Stunden
einführen wird. Die Welt der Prostituierten Domenica Niehoff, die Welt von
Karate- Tommy und Lackschuh-Dieter, die Welt von René Durand, der den ersten
“Fickladen” auf St. Pauli hatte, wie Ruge sagt, ein Nachtlokal, in dem
Darsteller auf der Bühne Sex hatten. Manche dieser Leute lernte Ruge noch
kennen, er liebt sie, manche der Nachtgestalten vergöttert er geradezu.

        Die Kieztour wird zum Politevent            Von seiner

Wohnung aus geht es raus, die Davidstraße runter Richtung Davidwache. Ruge, der
seinen größten Erfolg mit Bordsteinkönig hatte, seine Kindheit als
Bestseller, verflechtet die Geschichte des Stadtteils mit seiner eigenen Biografie.
Er erzählt, wie seine Familie auf den Kiez kam, wie seine Mutter seiner
Großmutter im Streit eine Gabel hinterherwarf und fortan in ein Heim für
schwer erziehbare Mädchen musste. Dort, sagt Ruge, seien die Luden im
Minutentakt vorgefahren, mit ihnen brannte seine Mutter durch, verliebte sich auch mal in einen Rocker von den Hells Angels. Ruge wuchs im
Heizungskeller eines Stundenhotels auf, die Mutter kellnerte in einer Bar, der
Vater betrieb drei Bordelle.
Ruge versucht
seinen Anspruch, eine alternative Tour zu bieten, einzulösen. Manchmal gerät sie
dabei fast zu einem Politevent. Ruge versteht sich als Kämpfer
gegen die Kioskflut und Verramschung des Kiezes. Vor mancher Touristenfalle
bleibt er stehen, um eine kurze Standpauke gegen “Vodkabomben für drei Euro”
und “Schrott aus China” zu halten, für ihn Symbole für die Kommerzialisierung
St. Paulis.

        Oft ist das

anstrengend, aber es lohnt sich, dieses Lamento durchzuhalten. Gerade die
persönlichen Anekdoten machen Michel Ruges Tour zu einer besonderen. Es ist
längst dunkel, als er vor dem ehemaligen Eros Laufhaus Center stehen bleibt und
eine letzte dieser Geschichten aus seiner Kindheit erzählt. Sein Kumpel, ein
Junge namens Catcher-Mike, hatte seinen Eltern hundert Mark geklaut. Ruge und
Catcher-Mike zogen damit ins Bordell. “Ich habe einen Sohn in deinem Alter”,
sagte die Prostituierte, erinnert sich Ruge. Noch viele Jahre lang habe er
fortan all sein Taschengeld in den Laufhäusern St. Paulis ausgegeben. “Heute spare
ich mir das Geld”, sagt er, “aber die Verbundenheit mit den Frauen ist mir
geblieben.”
Tourdaten:
Von Freitag
und Samstag, jeweils um 19 Uhr startet die Tour in Ruges Atelier in der
Erichstrasse 17. Dauer 2 Stunden, Preis pro Person 29,- EUR.
Tickets
buchen unter: http://www.kiezjungs.com/bordsteinkoenig

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