Aug 9, 2019
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Kann man zwischen gutem und schlechtem Kapitalismus unterscheiden?

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Das zweite bestimmende Element ist die bizarre Annahme, jemand habe ein Anrecht auf einen so großen Teil des natürlichen Reichtums der Erde, wie er sich mit seinem Geld kaufen kann. Diese Aneignung gemeinschaftlichen Besitzes verursacht drei weitere Verwerfungen. Erstens, das Gerangel um die Kontrolle nicht-reproduzierbarer Güter, das entweder zu Gewalt oder zu Beschneidungen der Rechte anderer führt. Zweitens, die Verelendung anderer durch eine Wirtschaft, die auf Plünderung und Raubbau in der Gegenwart und Zukunft beruht. Drittens die Übersetzung wirtschaftlicher in politische Macht, da die Kontrolle über wichtige Ressourcen zur Kontrolle über die gesellschaftlichen Beziehungen führt, die sie umgeben.

In der New York Times versuchte der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz zwischen gutem Kapitalismus, den er „wealth creation“ und schlechtem Kapitalismus, den er „wealth grabbing“ (etwa die Erzielung von Mieten) nannte, zu unterscheiden. Ich verstehe diese Unterscheidung. Doch aus ökologischer Perspektive ist „wealth creation“ gleichbedeutend mit „wealth grabbing“. Wirtschaftswachstum, das seinem Wesen nach mit dem immer größeren Verbrauch materieller Ressourcen verbunden ist, bedeutet, sowohl den lebenden Systemen als auch zukünftigen Generationen den natürlichen Reichtum wegzunehmen.

Wer auf solche Probleme hinweist, muss sich auf ein Sperrfeuer aus Anschuldigen gefasst machen, von denen viele auf folgender Voraussetzung basieren: Der Kapitalismus hat mehrere Hundertmillionen Menschen aus der Armut befreit – jetzt wollt ihr sie wieder in die Armut zurückstoßen. Es stimmt, dass der Kapitalismus und das wirtschaftliche Wachstum, das er vorantreibt, die wirtschaftliche Situation einer großen Zahl von Menschen verbessert hat, während er gleichzeitig den Wohlstand und das Wohlergehen vieler anderer zerstörte. Nämlich derjenigen, denen Land, Arbeit und Ressourcen genommen wurden, um anderswo Wachstum zu befördern. Ein Großteil des Wohlstands reicher Nationen gründet sich auf Sklaverei und koloniale Enteignung.

Es gibt kein Zurück

Wie die Kohle so hat auch der Kapitalismus viele Annehmlichkeiten mit sich gebracht. Doch wie die Kohle verursacht er heute mehr Schaden als Nutzen. So wie wir Mittel gefunden haben, um nutzbare Energie zu generieren, die besser und weniger schädlich ist als Kohle, müssen wir Mittel finden, menschlichen Wohlstand zu schaffen, die besser und weniger schädlich sind als der Kapitalismus.

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